Analog-Liebe: Mein Wendepunkt zwischen zwei Ringen
Es gibt diese Momente im Leben, die kommen ungeplant – und genau deshalb bleiben sie für immer. Mein Einstieg in die analoge Fotografie war genau so ein Moment. Kein Workshop, kein langer Plan, sondern ein vollgepacktes Auto, eine Familienhochzeit und eine Kamera mit Geschichte.

Ein Wochenende im Juli – und kein Platz für Digitaltechnik
Es war ein Wochenende im Juli 2025. Eine Hochzeit in der Familie stand an, auswärts, mit Übernachtung bei den Schwiegereltern. Unser Auto war bis unter das Dach beladen. Koffer, Geschenke, Kleidung, alles musste mit. Nur eines hatte keinen Platz mehr: mein digitales Equipment, mein Nikon-Z8-Kit. Verärgert blieb es zu Hause. Damals dachte ich noch, das wäre ein Nachteil.
Heute weiß ich: Es war der Anfang von etwas Großem.
Eine alte Fototasche und eine Kamera mit Seele
Beim Auspacken des Autos entdeckte ich sie. Auf einem kleinen Schränkchen stand eine alte Fototasche. Darin: eine Nikon F aus den frühen 70er-Jahren – die Kamera meines Schwiegervaters. Ich wusste, wie viel sie ihm bedeutete. Er hatte unzählige Momente seines Lebens mit ihr festgehalten, Filme selbst im eigenen Kellerlabor entwickelt, Erinnerungen buchstäblich sichtbar gemacht.
Trotzdem fragte ich ihn.
„Darf ich damit auf der Hochzeit deiner Tochter fotografieren?“
Er lächelte und sagte Ja.
Auf der Suche nach Film – eine kleine Zeitreise
Ein Problem blieb: keine Filme. Also fuhr ich noch schnell zu Foto Köster nach Münster. Mein Schwiegervater hatte mir erzählt, dass er früher viel mit Kodak Tri-X Pan fotografiert hatte. Und tatsächlich – ich fand ihn. Zwei Rollen wanderten in meine Tasche.
Für Farbe empfahl man mir den Wolfen ORWO NC 500 Color Film. Ungesättigte Farben, starkes Korn, ein ehrlicher, fast nostalgischer Look. Genau richtig für den geplanten Pizza-Lounge-Abend im Garten am Vorabend der Hochzeit. Ein entspannter Abend, um Gäste willkommen zu heißen – fernab vom späteren Hochzeitstrubel.
Pizza, Sommerabend und ein Smartphone als Belichtungsmesser
Zurück bei den Schwiegereltern, schnell umziehen, Film einlegen – und los. Die ersten analogen Aufnahmen meines Lebens. Ich hatte keine Batterie für den Photomic-Belichtungsmesser dabei, also maß ich das Licht mit einer App auf dem Smartphone.
Es war herrlich.
Die Gäste waren irritiert.
„Warum fotografierst du erst mit dem Handy und dann mit der Kamera?“
Die Älteren rechneten nicht damit, analog fotografiert zu werden. Die Jüngeren kannten Fotografie nur als Klick und fertig. Niemand ahnte, dass jeder einzelne Auslöser gerade echte Konzentration, Zeit und Gefühl verlangte.
Der Hochzeitstag – entschleunigt und intensiv
Am nächsten Morgen – Samstag, der 12.07.2025 – besorgte ich noch schnell die passende Batterie. Jetzt war ich bereit. Für den großen Tag. Für Schwarzweiß. Für Geschichten.
Mit der Nikon F und den Kodak Tri-X Pan Filmen begleitete ich die kirchliche Trauung und die Feier danach. Jeder Moment fühlte sich bewusster an. Kein Display, kein schnelles Kontrollieren. Nur Licht, Zeit und Vertrauen. Ich fotografierte langsamer – und sah mehr.
Genau hier habe ich verstanden, was Filmfotografie wirklich bedeutet: Sie zwingt dich, präsent zu sein. Sie belohnt Geduld. Und sie schenkt Bildern eine Tiefe, die weit über Technik hinausgeht.
Warum dieses Wochenende alles verändert hat
Diese Erfahrung hat etwas in mir ausgelöst. So sehr, dass ich mich später von meinem digitalen Equipment getrennt habe. Nicht aus Trotz – sondern aus Überzeugung. Ich habe mir eine eigene analoge Kamera gegönnt und begonnen, Fotografie neu zu erleben.
Mehr dazu erzähle ich im nächsten Blogbeitrag.
Ein Wort an dich, der das hier liest
Wenn du Analogfotograf bist, dann weißt du, wovon ich spreche.
Wenn du es noch nicht bist, aber neugierig – dann lade ich dich ein. Lass dich ein auf die Magie der analogen Fotografie. Auf das Warten. Auf das Nicht-Wissen. Auf die Vorfreude.
Denn manchmal beginnt die größte Leidenschaft genau dann, wenn kein Platz mehr im Auto ist.
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